FESTIVAL

Das Festival de L’ AUBE bringt Kunstschaffende der neuen Generation aus dem Morgenland in die Schweiz. Dynamische und enthüllende Filmwerke erwarten die Besucher.

 

«AUBE», der Tagesanbruch/frühmorgens, abgeleitet vom arabischen Wort «FAJR», ist das Leitmotiv des Festivals. Der bis jetzt als "Gegen-Ort" zum "Okzident" konstruierte Begriff "Orient" wird im Rahmen des Festivals anhand von reflektierten und überraschenden künstlerischen Arbeiten aufgebrochen; neue Sichtweisen werden zugänglich gemacht.

Die OrganisatorInnen verstehen dabei «FAJR» als subtile Kraft: Das erste Licht des Tages, der Sonnenaufgang, ein Auferstehen, ein neues Schauen; das Alte überwinden, um das Neue zu empfangen.

 

Der «AUBE»-Gedanke wird durch das Rahmenprogramm der Filmvorführungen mit vielschichtigen Programmpunkten wie Filmemachergesprächen und Workshops vertieft. Das Festival de L’ AUBE setzt auf die unmittelbare Begegnung zwischen Kunstschaffenden und dem Publikum. Zentrum des Festivals ist die Stadt Basel.

 

 

 

HINTERGRUND

Durch die vor sechs Jahren begonnenen gesellschaftlichen Veränderungen in Nordafrika und im Mittleren Osten wurden die Kunstschaffenden aus verschiedenen Regionen Zeitzeugen, Mitgestalter und Chronisten einer neuen Gesellschaft, die sich im Aufbruch und vielerorts in politischen Konflikten befindet. Das Festival de L’ AUBE bringt die aktuellen Arbeiten dieser Kunstschaffenden in die Schweiz.

 

Das Festival ermöglicht ein Gespräch zur DEKONSTRUKTION des Begriffes "Orient", um den gegenwärtigen historischen Umwälzungen gerecht zu werden. Es erschafft einen weiteren Raum, in dem das Nachdenken über die Aufgaben der Künste möglich wird. Es stellt das Verhältnis zwischen dem "Ich" und dem "Anderen" zur Diskussion und entwickelt innovative künstlerische und soziopolitische Reflexionen.

 

 

 

 

PHILOSOPHIE

Die Philosophie des Festival de L‘ AUBE bezieht sich auf das Werk „Orientalismus“ von Edward Said.

 

Edward Said, (geb. am 1. November 1935 in Jerusalem, gest. am 25. September 2003 in New York City), war ein US-amerikanischer Literaturtheoretiker und -kritiker palästinensischer Herkunft.

 

Edward Saids 1978 erschienenes Buch „Orientalismus“ entwickelte die These, dass die abendländische Welt seit jeher dazu tendiert, den "Orient" als statisches und falsch repräsentiertes Konstrukt zu konzipieren. Das Werk stellt nicht zuletzt eine Abrechnung mit der britischen und französischen Wissenschaft der Orientalistik dar. Deren Vertreter würden oftmals ein ideologisch vorgegebenes Ziel – die politische Unterwerfung der studierten Völker – verfolgen; ein "aufgeklärter Westen" wolle einen "mysteriösen Orient" beherrschen.

Die Aussagen über den Anderen sind nicht die Worte einer Hetz-Kampagne, sondern entstanden aus der Entwicklung eines sehr alten Diskurses, der seine Ursprünge im Kolonialismus hat.

Das Festival DE L‘ AUBE  nimmt bei dieser Ausgabe den kreativen Vorschlag Edward Saids,

« VOYAGE IN – REISE NACH INNEN », als Referenzpunkt auf und entwickelt sein Programm von Spiel- und Dokumentarfilmen aus dem Mittleren Osten rund um Saids Diskurs «Kultur und Imperialismus».

 

«VOYAGE IN»

 

In seinem Werk «Kultur und Imperialismus» erweitert Edward Said den Orientalismusdiskurs: Indem er zunehmend nicht-westliche Kulturproduktionen berücksichtigt, fordert er seine frühere Konzeption des kolonialisierten «schweigenden Anderen» (silent other) innerhalb des hegemonialen Diskurses heraus. Er zeigt sich skeptisch gegenüber nationalistischen antikolonialen Bewegungen, die für ihn immer das Risiko bergen, in einer destruktiven Konfrontationsgeste einzufrieren.

Eine Versöhnung zwischen Westen und Nicht-Westen, die von gegenseitigem Respekt und Anerkennung getragen wird, ist denkbar: durch die Wahrnehmung der Welt als eine sich annähernde gemeinsame Kultur, deren Wurzeln in einer gemeinsam geteilten Erfahrung von Kolonialismus und Imperialismus liegt. Hierzu schlägt Said eine «Reise nach innen» («Voyage in») vor.

Gerade die Unsichtbarkeit der engen Verknüpfung zwischen Kulturproduktion und dem politischen Charakter der Gesellschaft lässt laut Said die darin zugrundeliegende Ideologie effektiv werden.

Somit wird verständlich, warum Said auf die «De-Universalisierung» der imperialen Kultur abzielt. Kulturproduktionen seien nie «unschuldig», sondern stünden in komplexer und dynamischer Beziehung zu den hegemonialen Strukturen, in denen sie hervorgebracht werden. Aus dieser Perspektive endet der Imperialismus nicht mit der Freiheit der militärisch vereinnahmten Länder, sondern wird im Gegenteil kulturell, ökonomisch und politisch fortgeführt. Vornehmlich sind es die Kulturproduktionen, die den Imperialismus zu einer Kraft haben werden lassen, die über das geographische Empire hinausreicht. Sie sind über ihre Funktion hinaus die Quelle für die Identität, welche in postkolonialen Gesellschaften eine Form von kulturellem Traditionalismus (religiöser/nationalistischer Fundamentalismus) annehmen kann.

 

Um mit der Dualität «Macht/Widerstand – Herrschende/Beherrschte» brechen zu können, schlägt Said ein  «Zurück-Sehen» auf das Vergangene und das Jetzige auf einer «Reise nach Innen» vor – eine Reise nach Innen, die zu einer eigenen Erfahrung und Interpretation der Geschehnisse führen kann.